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Sony World Photography Awards 2021: Mexikanische Fotografin Graciela Iturbide wird für ihre herausragenden Leistungen geehrt

Pressemitteilung   •   Mär 11, 2021 01:00 CET

© Graciela Iturbide, Mujer Angel, Desierto de Sonora, Mexico, 1979

Zürich, 11. März 2021. Die World Photography Organisation gibt heute bekannt, dass die renommierte mexikanische Fotografin Graciela Iturbide im Rahmen der Sony World Photography Awards 2021 den Preis für herausragende Leistungen für die Fotografie (Outstanding Contribution to Photography) erhält. Iturbide gilt weithin als die grösste lebende Vertreterin der lateinamerikanischen Fotografie. Ihr Werkkatalog ist eine fotografische Dokumentation Mexikos seit den späten 1970er-Jahren und wird als entscheidender Beitrag zur visuellen Identität des Landes gerühmt.

25 Bilder aus Iturbides Oeuvre werden in einer virtuellen Ausstellung präsentiert, die ab dem 15. April auf der Website der World Photography Organisation zu sehen ist. Die Auswahl, die die Fotografin selbst getroffen hat, umfasst bedeutende Meilensteine und Themen aus ihrer fünf Jahrzehnte währenden Karriere, darunter einige ihrer berühmtesten Arbeiten wie Nuestra Señora de las Iguanas (Unsere Liebe Frau der Leguane) und Mujer ángel (Engelsfrau).

In Bildern, die das tägliche Leben und die Alltagskultur, aber auch Rituale und Religion darstellen, erkundet Iturbide die zahlreichen Komplexitäten und Widersprüche ihres Landes, hinterfragt dessen Ungleichheiten und hebt die Spannungen zwischen Stadt und Land, Moderne und Indigenität hervor. Ihre Arbeiten gehen über rein dokumentarische Narrative hinaus und möchten poetische Visionen vermitteln, mitgeprägt von den persönlichen Erfahrungen und Reisen der Fotografin.

Graciela Iturbide wurde 1942 in Mexiko-Stadt als älteste von 13 Geschwistern in eine traditionell katholische Familie geboren. Die Heranwachsende bewunderte die Amateurfotografien ihres Vaters und hütete sorgsam die Schachtel, in der die Familienfotos aufbewahrt wurden. Mit 20 Jahren heiratete Iturbide und bekam in schneller Folge drei Kinder. Erst 1969, im Alter von 27 Jahren, entschied sie sich, ihren künstlerischen Leidenschaften nachzugehen, und schrieb sich am Filmzentrum der Universidad Nacional Autónoma de México ein. Dort studierte sie bei dem Meister der Moderne Manuel Álvarez Bravo, der später ihr Mentor wurde, und beschloss, sich der Fotografie zuzuwenden. Als sie 1970 auf tragische Weise ihre sechsjährige Tochter Claudia verlor, wurde die Fotografie zu einer Form der Therapie für sie.

Kurz darauf wurde Graciela Iturbide Álvarez Bravos Assistentin und begann, ihn auf seinen Reisen durch Mexiko zu begleiten. Sie wurde von Álvarez Bravos Interesse an indigenen Gemeinschaften und von seiner Philosophie stark beeinflusst, die vom mexikanischen Zeitgefühl geprägt war, bekannt als „Hay tiempo“ – „Es ist genügend Zeit“. Diese Denkweise, die in der mexikanischen Kunst und Literatur allgegenwärtig ist, half Iturbide, ihre eigene fotografische Sprache zu entwickeln: Die Sprache einer genauen und geduldigen Beobachterin, deren Bilder die lyrischen und poetischen Qualitäten alltäglicher Momente offenbaren.

In den späten 1970er-Jahren wurde Iturbide zu einer der zentralen Figuren einer wachsenden Bewegung lateinamerikanischer Fotografen/innen, die sich zusammentaten, um die visuellen Identitäten ihrer Länder von den Blicken ausländischer Fotografen „zurückzuerobern“. 1978 wurde Iturbide vom Ethnographischen Archiv des Nationalen Instituts für indigene Völker in Mexiko beauftragt, im Rahmen einer umfassenderen Initiative zur Wiederbelebung der indigenen Kulturen die indigene Bevölkerung des Landes zu fotografieren. In Zusammenarbeit mit dem Anthropologen Luis Barjau beschäftigte sich Iturbide eingehend mit der Gemeinschaft der Seri-Indianer, lernte ihre Bräuche kennen und dokumentierte ihre Lebensweise, mit besonderem Augenmerk auf ihre erzwungene Anpassung an den Kapitalismus.

Die Ergebnisse der gemeinsamen Arbeit von Barjau und Iturbide wurden 1981 in dem Buch Los que viven en la arena (Die im Sand leben) veröffentlicht. Zur damaligen Zeit war dies eine der wenigen mexikanischen Studien neben Hunderten von US-amerikanischen, und das Buch wurde sofort für seine authentischere Sichtweise gerühmt. Die Erfahrungen aus dem Leben mit den Seri markierten den Beginn eines bedeutenden Teils von Iturbides Karriere. Sie verstärkten ihr grosses Interesse an der Erkundung ihres Heimatlands und ihren Wunsch, Beziehungen zu seiner vielfältigen Bevölkerung aufzubauen und diese zu fotografieren.

Heute zählen die Fotoreportage über die Seri sowie eine spätere über die Zapoteken in Juchitán zu Iturbides bekanntesten Arbeiten. Graciela Iturbide versucht nicht, ihre Themen zu exotisieren; ihre Bilder vermitteln die Sichtweise einer Person, die ihre eigene Kultur verstehen und würdigen möchte. Neben Aufnahmen indigener Völker in Mexiko umfasst die Auswahl für die virtuelle Ausstellung auch Bilder von Iturbides Reisen nach Italien, in die USA und nach Indien. Diese Fotos fokussieren auf die Welt der Natur und sind geprägt von Iturbides Faszination für deren innewohnende Symbolik und Spiritualität.

Zu ihren Arbeiten und zur Annahme des Preises sagte Graciela Iturbide: „Es ist für mich eine grosse Freude und Ehre, diesen Preis zu erhalten. Diese Art von Anerkennung ist ein enormer Ansporn zum Weiterarbeiten. Alles, was ich in meinem Leben fotografiert habe, hat meinen Geist erfüllt und mich dazu bewegt, den Prozess stets aufs Neue zu wiederholen. Die Fotografie hilft mir verstehen, was ich sehe, wofür ich lebe und was ich fühle, und sie ist ein guter Vorwand, um die Welt und ihre Kultur kennenzulernen.“

Mit dem Preis für Herausragende Leistungen für die Fotografie werden Personen oder Gruppen ausgezeichnet, die einen bedeutenden Einfluss auf das Medium Fotografie ausgeübt haben. Als 14. Preisträgerin reiht sich Graciela Iturbide in eine illustre Liste ikonischer Persönlichkeiten ein. Dazu zählen William Eggleston (2013), Mary Ellen Mark (2014), Martin Parr (2017), Candida Höfer (2018), Nadav Kander (2019) und Gerhard Steidl (2020), um nur einige zu nennen.

Die Gesamtsieger des Studenten-, Jugend-, offenen und Profi-Wettbewerbs der Sony World Photography Awards 2021 werden am 15. April 2021 über die digitalen und Video-Plattformen der World Photography Organisation bekannt gegeben.

Virtuelle Ausstellung der Sony World Photography Awards 2020

Durch die pandemiebedingten Einschränkungen der letzten Monate, konnte die Ausstellung der Sony World Photography Awards 2020 nicht wie geplant im Willy-Brandt-Haus in Berlin gezeigt werden. Die ausdrucksstarken Werke des Wettbewerbs sind noch bis zum 31. März 2021 in einer umfangreichen digitalen Bilderwelt unter folgendem Link einsehbar: https://swpagermany.v21artspace.com/

   

Hinweis für Redakteure:

Pressekontakte

Für weitere Informationen wenden Sie sich bitte an: Inbal Mizrahi press@worldphoto.org / +44 (0) 7393 023508

Alle Bilder der Shortlist-Kandidaten können unter www.worldphoto.org/press zur Veröffentlichung heruntergeladen werden.

   

Über Garciela Iturbide

Graciela Iturbide wurde in Mexiko-Stadt geboren. 1969 schrieb sie sich am Filmzentrum der Universidad Nacional Autónoma de México ein, fühlte sich aber schon bald zur Kunst der Fotografie hingezogen, wie sie von ihrem Lehrer praktiziert wurde, dem mexikanischen Meister der Moderne Manuel Álvarez Bravo. 1970-71 war Iturbide Álvarez Bravos Assistentin und begleitete ihn auf seinen fotografischen Reisen durch Mexiko. Graciela Iturbide hat in den wichtigsten Museen in Mexiko, den USA und Europa ausgestellt. Sie erhielt zahlreiche Auszeichnungen aus aller Welt, darunter den W. Eugene Smith Preis; den ersten Preis beim Mois de la Photographie in Paris; den Hugo-Erfurth-Preis, Leverkusen; den Grand International Prize, Hokkaido, Japan; den Preis der Stadt Arles, Frankreich; ein Guggenheim-Stipendium; den Hasselblad-Preis 2008; den Nationalen Preis für Wissenschaften und Künste, Mexiko, 2009; und den Infinity Award des International Center of Photography 2015. Zahlreiche Bände mit ihren Arbeiten wurden in verschiedenen Ländern veröffentlicht.

Über die Sony World Photography Awards

Die von der World Photography Organisation (WPO) veranstalteten und international anerkannten Sony World Photography Awards sind eine der wichtigsten Veranstaltungen im weltweiten Fotokalender. Im nunmehr 14. Jahr ihres Bestehens sind die frei zu vergebenden Awards eine globale Stimme für die Fotografie und bieten einen wichtigen Einblick in die zeitgenössische Fotografie von heute. Sowohl etablierten als auch aufstrebenden Künstlern bieten die Awards erstklassige Möglichkeiten zur Präsentation ihrer Werke. Darüber hinaus werden mit den Outstanding Contribution to Photography Awards die weltweit einflussreichsten Künstler, die in diesem Medium arbeiten, ausgezeichnet; zu den bisherigen Preisträgern gehören unter anderem Martin Parr, William Eggleston und Nadav Kander.

Über die World Photography Organisation

Die World Photography Organisation ist eine Drehscheibe für globale Initiativen im Bereich Fotografie. Mit ihrer Arbeit in über 180 Ländern, hat sich die Organisation zum Ziel gesetzt, die Fotografie stärker ins Gespräch zu bringen. Dabei erhöht sie das Bewusstsein und die Wertschätzung für diese Kunstform und feiert die Werke der Fotografen. Die World Photography Organisation führt verschiedene Programme und Veranstaltungen durch, die sich über das ganze Jahr erstrecken. Zum WPO-Portfolio zählen die Sony World Photography Awards, einer der größten Fotowettbewerbe der Welt, sowie die internationale Fotokunst Messe PHOTOFAIRS. Für weitere Informationen besuchen Sie bitte www.worldphoto.org.

Über die Sony Corporation

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